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Tiere helfen Tieren
Die Blutegelbehandlung zählt zu den Blutentziehungsverfahren. Bereits vor dem 3. Jh. vor Chr. war die Blutegelbehandlung ein fester Bestandteil der Heilkunst. In der Geschichte der meisten Naturvölker finden sich Hinweise auf den therapeutischen Einsatz der Blutentziehung.
Die Egel "Hirudinea" gehören zu der Gruppe der Ringelwürmer und sind eng mit dem Regenwurm verwandt. Der bekannteste Vertreter unter ihnen ist der medizinische Blutegel "Hirudo medicinalis".
Der Blutegel hat an beiden Enden einen Saugnapf, wobei der hintere größer ist als der vordere und ausschließlich zum Festhalten dient. Im vorderen Saugnapf befinden sich 3 y-förmig angeordnete Kiefer (Sägeleisten) mit jeweils ca. 80 Zähnchen
. Diese raspeln sich vorsichtig durch die Haut. Man spürt ein leichtes Brennen oder Stechen, bei manchen Egeln merkt man überhaupt nichts. Ich habe, bevor ich die Egel an meinen Hunden angesetzt habe, einen Selbstversuch gestartet und kann Ihnen versichern, dass es nicht schmerzhaft ist. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel –der Saliva- enthalten ist, ist umstritten.
Während des Saugens gibt der Blutegel Speichel in die Wunde ab, der folgende identifizierte Substanzen enthält:
- Hirudin: hemmt die Blutgerinnung und trägt somit zur besseren Fließeigenschaft des Blutes bei
- Histamin: übt einen unmittelbaren Einfluss auf den Stoffwechsel der Entzündungsmediatoren aus und greift somit bei jeder Entzündung an
- Calin: hemmt ebenfalls die Blutgerinnung, sorgt für die lange Nachblutung (Reinigung der Wunde)
- Hyaluronidase: sorgt für Gefäßerweiterung, Lymphstrombeschleunigung, verstärkt den Blutstrom im Sauggebiet, eine antibiotische Wirkung wird vermutet, konnte aber bislang noch nicht nachgewiesen werden, mucolytisch (schleimlösend) im Wundbereich
- Egline, Bdellin: wirken bei der Gerinnungshemmung mit, antiphlogistisch (entzündungshemmend)
Der Speichel enthält noch viele andere Substanzen, deren Wirkung bis heute noch nicht nachgewiesen ist.
Der Sinn und Zweck der Egeltherapie ist es, in den erkrankten Gebieten eine Herabsetzung der Viskosität des Blutes durch die gerinnungshemmende Wirkung des Hirudins zu erreichen. Dadurch kann das Blut schneller und leichter fließen. Die Staugebiete werden abgebaut und mit ihnen die Schlackenstoffe abgeleitet. Auf diese Weise wird das alte, zur Entzündung neigende Blut abtransportiert und schafft Platz für neues, frisches Blut.
Indikationen beim Hund: - bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrose, Arthritis, Hüftgelenksdysplasie, Ellbogendysplasie, Diskopathien, Spondylose, etc…) - Geriatrie - Respirationstrakt - Hauterkrankungen - bei fast allen Entzündungen - Frakturen, Stauchungen, Quetschungen, Prellungen - postoperative Schmerzen ....und vieles mehr.....
Indikationen beim Pferd: - Arthrose - Spondylose - Podotrochlose - Spat - Hufrehe - Phlegmonen - Hämatomen ....und vieles mehr.... => Aufgrund des feinen Zusammenspiels der Wirkstoffe und des lokalen, kleinen Aderlasses sind die Blutegel grundsätzlich bei allen lokalen, gestauten, entzündlichen, durchblutungsgestörten Prozessen angezeigt.
Kontraindikationen: - zu kleine Tiere - Hämophile (Bluter) bzw. Tiere, die gerinnungshemmende Medikamente bekommen - während der Läufigkeit oder kurz nach der Geburt - fortgeschrittene Lebererkrankung - Kachexie (Abmagerung) - schwere Anämie (Blutarmut) - bestimmte Hautkrankheiten (z. B. autoimmune) - vorhandene Immunsuppression - nach starkem Blutverlust
Mögliche Reaktionen: - mäßiger bis starker Juckreiz und Rötung im Bereich der Bissstelle - starke Rötung und ödematöse Anschwellung des behandelten Körperteils - selten: vorübergehende Abgeschlagenheit, leichte Temperaturerhöhung, Depigmentierung der Bissstelle, Sekundärinfektion durch Fehlverhalten der Tierhalter (z. B. durch Dreck in die offene Wunde), allergische Reaktionen
Zur Ausführung: Für die Blutegeltherapie braucht man ca. 1-1 1/2 Stunden Zeit und Ruhe. Wenn die Blutegel gebissen haben, darf der Saugakt nicht unterbrochen werden. Sind die Egel vollgesaugt und satt, fallen sie von alleine ab. Die Nachblutung darf nicht unterbrochen werden. Dies ist wichtig für die Reinigung der Wunde und ein Bestandteil der Therapie. Die Wirkung der Behandlung wird durch den entstauenden Effekt der Nachblutung noch erhöht. Die Dauer der Nachblutung beträgt zwischen 1-8 Stunden (kann auch etwas kürzer oder länger sein).
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